Anjum 
AussehenAnjum kann man rein von seinem Aussehen nicht als einen besonderen Wolf betrachten, von der Masse würde er sich kaum abheben, denn er ist eher ein Allerweltswolf. Seine Fellfarbe schattiert sich, wie es für einen Grauwolf üblich ist, in die verschiedensten Grautöne und vermischt sich an Rückenpelz, rückwärtiger Nackenkrause und an seinen Ohren, sowie der Stirn mit einem sachten Braunton. Zwar fällt er dadurch kaum auf, doch schließlich hat dies ja Vor - und Nachteile. Vor allem für die Tarnung bietet sich ein solches Fellkleid praktischerweise sehr gut an. Was man wohl kaum glauben mag, ist, dass sein Fell selbst in den kältesten Nächten warm hält und sehr wetterbeständig ist, auch wenn es für Außenstehende viel zu dünnhaarig erscheint, ist die Unterwolle dicht genug, um Anjum jederzeit genügend Wärme zu verleihen. Der Körperbau des Rüdens ist, anders als man es vielleicht erwarten würde, nicht breiter gebaut und kräftig wirkend, sondern eher in schmaler Form ausgeprägt. Tatsächlich wirkt Anjum damit eher wie eine Fähe als wie ein Rüde. Und doch täuscht dieses Auftreten, denn so unbeholfen und schwach er mit diesem Körperbau wirken muss, tatsächlich besitzt er eine immense Stärke und kann sich mit seinen Hinterläufen zu einem schnellen Sprint katapultieren. In Jagd und Lauf steht er kräftiger gebauten Geschlechtsgenossen daher in nichts nach. Sein Gesicht besitzt denselben femininen Zug mit einer langen schlanken Schnauze, in der sich seine Beißwerkzeuge versteckt halten und den kleinen, klugen Augen, die sich in einem dunklen blassbraunen Farbton halten. Die langen spitzen Ohren runden das Erscheinungsbild seines Profils letztendlich noch ab und seine buschige Rute, die von einem dunklen Grauton in ein helles Cremefarben verläuft, stattet ihn zusätzlich mit dem letzten Hilfsmittel der wölfischen Kommunikation aus. Seine Läufe sind lang und kräftig, jedoch schmal veranlagt und halten seinem Gewicht problemlos stand. Zugleich passen sie sich perfekt an den schlank gehaltenen Rumpf an. Letztendlich vermischen sich all diese Aussehensmerkmale zu einem harmonischen, schönen Wolfsbild.
CharakterMan kann guten Gewissens sagen, dass Anjum zu den sanftmütigsten aller Wölfe gehört. Der Rüde besitzt keine Aggressivität in seinem Wesen und ihn bis ans Äußerste zu reizen, verlangt so einiges an schlechtem Benehmen. Er wäre wohl der perfekte Welpenhüter, denn er besitzt eine Engelsgeduld und dazu noch ein großes Herz sowohl für kleine Fellbündel als auch für gleichaltrige Artgenossen. Man kann auf seinen Nerven lange herumreiten, ehe er sich darüber beschweren würde. Die Nähe anderer ist dem Rüden sehr wichtig, weshalb er wohl als Einzelgänger auf Dauer vollkommen verkümmern würde. Ohne Gefährten würde ihm einfach etwas fehlen, denn er braucht die Wärme und die Gespräche mit anderen. Durch seine ruhige Art wirkt der Graue wohl manchmal etwas letargisch, was sich erst ändert, wenn er zu einem gemeinsamen Spiel aufgefordert wird, oder die Jagd nach ihm ruft. Dann erst zeigt er, welch Feuer in ihm stecken kann und auch in seine Augen verirrt sich dann und wann ein glühendes Funkeln. Doch die Stille an seiner Art hat auch ein Gutes, denn er wird für viele sofort als Ansprechpartner angesehen und hat auch keine Probleme, als Hilfestellung und Berater zu dienen. Mit Problemen kann man getrost zu ihm kommen, denn er kümmert sich fast schon aufopfernd darum und versucht es, es möglichst jedem Recht zu machen. Natürlich ist er kein Engel, denn was ihm Vorteile bringt, trägt ebenso Nachteile mit sich. Denn so nett und liebend er ist, umso leichter ist es für andere, ihn - ob bewusst oder unbewusst - mit Taten oder Worten zu verletzen. Mit seiner Ernsthaftigkeit nimmt er vieles, was man ihm gegenüber sagt oder tut, nicht so auf die leichte Schulter, dazu kommt, dass er einen grüblerischen Geist besitzt und sich mit dem Erlebten meist lange auseinander setzt. Daher kann es oft vorkommen, dass er sich von etwas oder jemandem angegriffen fühlt. Was jetzt nicht heißt, dass er sich sofort wehren würde und sich beschweren würde. Nein, viel eher nimmt er so etwas schweigend hin und lässt es auf sich beruhen. Anjum sucht keinen Streit, er umgeht ihn eher, selbst wenn es zu den Gunsten des anderen ist.
Alles in allem ist der Graue lediglich ein gutmütiger Wolf, der alles tun möchte, damit sich Wölfe in seiner Nähe möglichst wohl fühlen.
VorliebenWas dem Rüden am Herzen liegt sind vor allem Artgenossen. Dabei unterscheidet er kaum, ob es sich um Fremde oder um Rudelgefährten handelt. Natürlich bedeuten letztere ihm viel mehr, doch auch unbekannte Wölfe empfängt er mit Güte und Besonnenheit. Er ist kein Wolf, der hinter alles und jedem den Teufel wittert, sondern sieht in jedem Wolf nur das beste. Fast schon unsterblich verliebt, könnte man Anjum beschreiben, wenn er auf Welpen trifft. Es ist einfach so, dass er zu ihnen gehört. Ganz gleich ob es seine eigenen sind oder ob er sie nur hüten darf, Welpen sind schon vom ersten Augenblick an sein Ein und Alles und er verbringt gerne alle Zeit der Welt mit ihnen. Fast schon ist er selbst einer, wenn er mit ihnen tobt. Der Graue liebt sie abgöttisch.
Und weil er Welpen so sehr liebt, ist es wohl auch kein Wunder, dass der Frühling seine liebste Jahreszeit ist. Nicht nur, weil es die Jahreszeit ist, in der die kleinen Fellknäule zur Welt kommen, es ist der Moment, in dem sich Anjum jedes Mal sicher ist, dass der harte Winter vergangen ist und ein neues Jahr mit neuen Abenteuern anbricht, mit neuem Leben, das zusammen mit den auftauenden und erblühenden Blumen in den immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen der Erde entspringt. Frühling war seit jeher die Jahreszeit, die er stets mit Friede verbunden hatte.
Zwar gehört die Jagd nicht zu dem Liebsten Anjums, doch genießt er es doch, während dieser zu laufen und seine Beute zu hetzen. Sich in diesem Geschwindigkeitsrausch zu befinden ist für den Rüden unendlich beflügelnd und weckt seine Lebensgeister jedes Mal aufs neue. Ebenso wie gelegentliche Spiele mit Artgenossen oder spielerische Angriffe auf kleine Beutetiere in der Nähe.
VergangenheitEtwas, nach dem Anjum schon seit seiner Welpenzeit strebte, war, einen glückseligen Pfad des Lebens zu begehen. Er wollte nie etwas anderes als in einem friedlichen Rudel harmonisch mit den anderen zu leben und sich ganz der Ruhe und der Gemeinschaft hinzugeben. Schon als kleiner Welpe war, neben seiner lebensfrohen und spielerischen Natur, das Bedürfnis nach der Nähe der anderen sehr stark ausgeprägt. Doch, wie das Schicksal es bestimmte, hielt die glückliche Zeit, in der er mit Alkatras, seinem Bruder, und deren gemeinsamen Schwester Závi durch die Gebiete des heimischen Reviers streifte, nicht lange. Als die drei gerade das Jungwolfalter erreicht und zu großen und kräftigen Wölfen herangewachsen waren, entschied sich die Natur, ihr Glück zu zerstören und schickte ein wütendes und reißendes Feuermeer durch den Wald, in dem das Rudel hauste. Da der Wind aus ihrer Richtung kam, rochen und sahen sie das Feuer zu spät und in der Panik und Hast verlor das Rudel einander, der eine strebte in die eine Richtung, der andere in eine ganz andere. Auch Anjum verlor den Anschluss zu allen anderen und rettete sich, von ständiger Sorge um seine Familie und die übrigen Rudelmitglieder begleitet, aus dem Wald.
Weit entfernt von dem Wald wartete er lange Zeit, sah das Feuer versiegen und wagte sich schon bald wieder in das verbrannte und unfruchtbare Land, das einst sein Zuhause war. Was er vorfand, waren Trümmer eines mächtigen Waldes und der Geruch nach verbranntem Fleisch, welcher ihn schließlich von diesem grausamen Ort vortrieb. Lange wütete in ihm der Verlust und die Sehnsucht nach der Vergangenheit, doch niemals drehte der Rüde sich um und kehrte zurück.
Nein, er blickte stets nach vorne, obgleich das Geschehene ihn schier zerriss. So erreichte er nach langer, mühsamer Wanderschaft als ausgehungerter Jungwolf ein kleines Rudel im Norden, das ihn herzlich aufnahm. Er fühlte sich sofort wohl, freundete sich schnell mit den neuen Gefährten an und genoss die trügerische Stille, die an jenem Ort herrschte. Er glaubte endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Doch auch dagegen schien Mutter Natur vorgehen zu wollen - oder sah sie es als Pflicht? - und eine Schar von Menschen brach eines Tages in den friedlichen Wald ein. Dieselbe Panik, dieselbe Hilflosigkeit wie auch bei dem Brand erfasste das gesamte Rudel und verstreute auch diese. Auch dieses Mal blieb der Rüde nach dem Angriff alleine zurück und noch einmal wanderte er weiter, mehr denn je von der Sehnsucht erfasst, seine Geschwister wiederzusehen. Er hielt sich in vielen Rudeln auf, verweilte nicht lange dort, auch wenn sein Herz bei jeder Gemeinschaft, bei jedem Anblick eines Artgenossen und bei jedem Wort mit seinesgleichen höher schlug, so schien sein Herz immer nur dann zu pochen, wenn er an seinen Bruder oder seine Schwester dachte und dieser Gedanke trieb ihn jedes Mal wieder fort. In der Zeit, die er teils alleine, teils in Gemeinschaft verbrachte, lernte der Rüde viel dazu. Er lernte, dass er jagen musste, aber auch die Schönheit, die Vollkommenheit der Natur lernte er und verliebte sich in sie, was die Jagd immer schwerer machte. Trügerische Blicke, Missgunst und Hass bekam er auch zu spüren, was ihm mehr zusetzte als alles andere, da er nicht verstand, womit er das verdient hatte, obwohl er sich immer darum bemühte, allen ein guter Kamerad zu sein und jeden mit dem seinigen Charakter zu lieben.
Eines Tages erhaschte er schließlich die Spur seines Bruders, roch den Geruch, der ihm schon seit langem gefehlt hatte und wusste, dass er nun bald zuhause sein würde. Als er Alkatras wiederfand fühlte er sich mehr als lebendig, fand sogar seine spielerische Art wieder und beschloss zusammen mit ihm ein neues Rudel zu gründen, um so vielleicht endlich seinen Lebenswunsch zu erfüllen; ein glückliches Rudel, friedlich, liebevoll und harmonisch.
Es verging eine lange Zeit, in der das Rudel unter der Führung von Anjum und Alkatras unter günstigen Winden lebte. Viele Rudelmitglieder gingen, kamen neu hinzu. Anjum lernte seine Ziehtochter Aelia kennen, verliebte sich sofort in den aufgeweckten jungen Welpen, der ihm jedoch viel zu früh abhanden kam, nachdem Aelia erfuhr, dass ihre Ziehmutter innerhalb des Rudels bei einer Jagd ums Leben gekommen war. Das Rudel war für eine lange Zeit stark, doch immer mehr schien es zu bröckeln. Da kamen die vielen Verluste hinzu, die es auf den Wanderschaften erleiden musste und letztendlich auch der verheerende Erdrutsch, der es in zwei Hälften spaltete. Anjum und Alkatras wurden bei diesem Erdrutsch ebenfalls getrennt und vereinbarten, die Gebirgskette zu umrunden, um sich wiederzutreffen. Innerhalb Anjums Teil des Rudels gab es schließlich so viel Streit, Zwietracht und auch Unfälle, dass es letztendlich nur noch er selbst waren und seine treue Betagefährtin, die zum vereinbarten Treffpunkt ankamen. Nachdem sie jedoch viele Tage dort ausgeharrt hatten und kein Wolf - weder Alkatras, noch sonst ein bekannter Rudelgefährte - erschienen war, wanderte die Betawölfin schließlich ab und ging ihrer Wege.
Es dauerte lange bis Anjum sich ebenfalls erhob und seinem Pfad folgte. Wohlwissend, dass er seinen Bruder ein zweites Mal, und dieses Mal wohl endgültig verloren hatte...
Anjum ist dem Rudel am 03.11.2009 im Lichtwald beigetreten.Anjum gilt seit dem 12.01.2010 im Tautarental als verschollen.